8. September 2012

Rezension zu "Solange die Nachtigall singt" von Antonia Michaelis




Verlag: Oetinger
 
Originaltitel: Solange die Nachtigall singt
 
Erscheinungsdatum: September 2012
 
ISBN: 978-3789142932
 
Seiten: 446 Seiten
 

Preis: 16.95 €
 
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Und da erhob ein anderer kleiner Vogel seine Stimme, ganz nah. Seine Melodie war süß und zugleich voller Trauer, und Jari kannte seinen Gesang. Zu Hause, in den Sommerzweigen des weißen Jasmins, hatte dieser Vogel jede Nacht vor seinem Küchenfenster gesungen, klein und durchscheinbar grau: eine Nachtigall. Sie standen und lauschten, dicht beieinander, und Jari fühlte, dass Jascha wieder begonnen hatte zu zittern.
 
"Was ist?", fragte er. "Es ist nur eine Nachtigall."
 
"Still!", flüsterte Jascha und löste ihr Hand aus seiner, und er sah im allerletzten Licht, wie die schwarzen Schatten ihrer Hände sich dem Gesang entgegenstreckten. 
                                                       "Still, still, meine Nachtigall."



Jari, der Tischerlergeselle, ist gerade Achtzehn Jahre als geworden, als er sich entschließt, eine Wandertour durch die Berge zu machen. An seinem ersten Tag im Dorf am Fuße des Waldes, in den er gehen möchte, lernt er Jascha kennen. 
Jascha, die ihn mit ihrer Schönheit total verzaubert. 

Jari folgt Jascha hinein in den Dunklen Wald, umden sich viele Geschichten ranken, denn kein Wanderer kommt lebend dort wieder hinaus.
 
Jascha lebt alleine im Wald, in einem Haus, indem die Schönheit regiert. Jari beginnt dort mit Jascha zu leben und vergisst bald sein Wandervorhaben und auch seine Familie und seinen Freund Matti.
 
Doch in Jascha's Welt ist nicht alles so wie es scheint, und so beginnt Jari langsam hinter Jascha's dunkles, grausames Geheimnis zu kommen...
 

Das Cover von "Solange die Nachtigall singt" ist wunderschön gestaltet! Es wirkt alles sehr düster und mysteriös auf dem Cover mit den Wurzeln und dem dunklen Wald. Wenn man genau hinschaut, erkennt man auf dem Buchumschlag ein Mädchen was im Wald verschwindet. Nimmt man den Buchumschlag ab, muss man schon sehr genau hinschauen, um zu bemerken, dass auf einmal drei Mädchen zu sehen sind. Das kleine Detail gefiel mir sehr gut!
 

Den Schreibstil von Antonia Michaelis muss man einfach lieben! Sie schreibt sehr malerisch und man kann sich alles beim lesen sehr gut vorstellen. "Solange die Nachtigall singt" ist in der dritten Person geschrieben.
 

Man kann über die Charaktere nicht sehr viel schreiben, ansonsten würde man viel zu viel über die Handlung verraten. Deswegen beschränke ich mich jetzt auf drei Personen, den Rest lasse ich mal außen vor.
 
Jari fand ich als Hauptprotagonist ganz okay. Er ist sympathisch, jedoch gelang es mir beim lesen nicht, mich mit ihm zu identifizieren. Für mich ist Jari einfach zu leichtgläubig. Er kann sich gegen Jascha gar nicht zur Wehr setzen und befolgt einfach blind alles, was sie ihm sagt. Er hinterfragt nichts und spricht andauernd nur davon, wie wunderschön Jascha ist und wie gerne er mit ihr schlafen würde. Die Verwandlung die Jari im laufe der Geschichte durchmacht ist zwar ganz gut mitzuverfolgen, jedoch kam es für mich nicht wirklich überraschend. Gegen Ende des Buches gefiel mir Jari zum Glück etwas besser, aber die negativen Aspekte überwiegen trotzdem.
 
Jascha ist einfach nur total undurchsichtig. Man weiß nie was sie gerade denkt und kann ihre Beweggründe auch für nichts nachvollziehen. Sie hatte eine sehr schwere Kindheit, dass liegt auf der Hand, aber das sie SO geworden ist, deutet schon eher auf eine psychische Störung hin. Es gab ein paar kleine Szenen, in denen Jascha mir etwas sympathischer war, gerade wenn sie ihre Verletztheit offen zeigt, jedoch waren das so wenige Szenen, dass mir die negativen Sachen sehr viel mehr aufgefallen sind.
 
Der einzige Charakter, der mir sehr gut gefallen hat, war Matti, Jari's bester Kumpel. Er taucht in sehr vielen Rückblenden auf und gegen Ende lernt man ihn sogar in Natura kennen. Matti hat eine sehr schöne Sicht aufs Leben und er war mir von Anfang an sympathisch.
 

Nachdem ich im vergangen Jahr begeistert "Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis gelesen habe, durfte ihr neues Buch natürlich nicht in meinem Regal fehlen. Denn ich liebe die Art, wie Antonia Michaelis schreibt und einen mit ihren Bücher in den Bann zieht. Außerdem klingt "Solange die Nachtigall singt" natürlich mega spannend und düster und mysteriös, jedenfalls, was der Klappentext besagt...
 
Leider muss ich gestehen, dass mir das Buch überhaupt nicht gefallen hat. Ich kam auch nach über 300 Seiten nicht in die Handlung hinein, das ganze Buch ist für mich komplett undurchsichtig gewesen und ich habe bis jetzt immer noch nicht alles richtig verstanden.
 
Aber gut, erstmal die wenigen positiven Sachen. Die Geschichte an sich klingt wirklich sehr interessant. Ein Wanderer, der einer wunderschönen jungen Frau in den düsteren Wald folgt. Eine junge Frau, die dort in dem Wald ganz alleine lebt, die sich aber sehr seltsam benimmt und die ein großen Geheimnis zu haben scheint. Das alles klingt wirklich super, jedoch war die Umsetzung etwas schlecht gelungen.
 
Was mir noch gut gefallen hat: Das Buch ist in zwei Zeitzonen geschrieben. Da ist zuerst natürlich die Hauptstory um Jari und Jascha die in der Gegenwart spielt. Dann ist da noch eine zweite Story, die von drei kleinen Mädchen handelt, die aus politischen Gründen entführt worden sind und mit denen wir ihren Leidensweg miterleben. Wie diese zwei Storylines zusammenführen am Ende, hat mir gut gefallen.
 
Leider überwiegend die negativen Aspekte des Buches.
 
Ich fand es ziemlich langweilig... es passiert die meiste Zeit nichts, oder die Sachen die passieren sind so langweilig und nicht klar, dass sie mich kalt gelassen haben.
 
Noch dazu war mir ziemlich schnell klar, worauf die ganze Geschichte hinausläuft und die Auflösung fand ich auch nicht sehr überraschend.
 
Jetzt kommt ein kleiner Mini-Spoiler also Achtung!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Pilze und Wein soooo starke Halluzinationen auslösen... das war für mich einfach kompletter Schwachsinn.
 
Okay, genug Kritik geäußert, ein kleinen Lichtblick gab es noch, denn das Finale ist spannend geschrieben und es gab eine kleine Überraschung, die hat mir aber die Tränen in die Augen getrieben.
 
Ich denke, das Buch ist in sich abgeschlossen, es wäre eventuell noch Spielraum für eine Fortsetzung, aber die würde, glaube ich, nicht so richtig passen.
 

Mich konnte "Solange die Nachtigall singt" leider nicht überzeugen. Das Buch war für mich zu undurchsichtig und auch etwas zu langweilig. Aber jeder muss sich selbst überzeugen, vielleicht hatte ich auch einfach zu hohe Erwartungen.

Kommentare:

  1. Oh Schade, denn ich hab bis jetzt eigentlich nur Gutes gehört! :(
    Mal gucken wir mir der Märchenerzähler gefällt :)
    LG Jan

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    1. Also der Märchenerzähler wird dir bestimmt gefallen :D

      LG Julchen

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  2. Das lag natürlich nicht nur alleine an den Pilzen und dem Wein. Ich sage nur Krankheitsbild einer multiplen Persönlichkeit "Dissoziative Identitätsstörung". Das eine ist, wie du schon schreibst, das was Jari durch die obigen Einflüsse verschwommen wahrnimmt, aber das andere, und letztlich viel stärker, das war Jascha ihm vorspielt. Unterstützt durch die Zeitfaktoren und einfache Hilfsmittel wie spiegelnde Flächen.
    Aber klar, man muss es schaffen sich ins Buch fallen zu lassen, und wen das nicht klappt, dann klappt es eben nicht. Schreibst du ja selbst. Die Nachtigall ist sicher auch vielschichtiger und auch komplizierter von der Sprache ist auch nicht so - wie soll ich sagen - vielleicht verträumt. Nun ja, mir gefiel sie alles in allem sogar besser als der Märchenerzähler. Man muss sich mit Jaschas Verwirrspiel anfreunden können, dann ist es sehr spannend und das Ende dann auch überwältigend. Aber wie geschrieben, es hängt viel davon wie man was wahrnimmt und ob man es schafft sich im Buch quasi zu verlieren.

    Lotta

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    1. Ja da hast du wohl recht, ich konnte mich einfach null ins Buch fallen lassen, weil ich einfach in die Thematik nicht hineinkam :( Aber naja, anderen wie z.b. Dir gefällts ja, also hat die Autorin ihre Sache gut gemacht^^

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